Rechtliche Vorgaben für Bestandsgebäude

Quelle: Bild / Fotograf: Kollaxo
Quelle: Bild / Fotograf: Kollaxo

Seit 2002 hat der Gesetzgeber mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) nicht nur Anforderungen an Neubauten, sondern auch für bestehende Gebäude gewisse Mindeststandards und Nach­rüstpflichten vorgegeben. Neben Bestimmungen zum Energieausweis enthält die Verordnung energetische Mindestanforderungen für Neubauten, für Modernisierung, Umbau, Ausbau und Erweiterung bestehender Gebäude, für Heizungs-, Kühl- und Raumlufttechnik sowie für die Warmwasserversorgung. Dabei wird unterschieden zwischen Nachrüstungspflichten, die alle Altbauten betreffen und Vorschriften, die erst dann greifen, wenn ein Hausbesitzer aus eigenem Antrieb Sanierungsmaßnahmen durchführt. Die Vorgaben für die Nachrüstverpflichtungen beschränken sich auf diejenigen Maßnahmen, die in der Regel besonders wirtschaftlich sind und eine schnelle Amortisation erwarten lassen.

nichtamtliche Lesefassung EnEV 2013

Bisherige Nachrüstverpflichtungen

(Was bisher nach den Verordnungsbestimmungen schon umgesetzt werden musste)

  • Heizkessel, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut wurden, mussten mit wenigen Ausnahmen seit 31. Dezember 2006 außer Betrieb genommen werden
  • Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen, die in unbeheizten Räumen, wie zum Beispiel dem Keller liegen, mussten gedämmt werden
  • Dämmung von nicht begehbaren, aber zugänglichen obersten Geschossdecken (zum Beispiel Spitzböden)
  • Nicht betroffen von den Nachrüst-Verpflichtungen sind Eigentümer von Häusern mit ein bis zwei Wohnungen, sofern sie selbst in dem Gebäude wohnen. Erst bei einem Wechsel des Besitzers und in diesem Fall binnen einer Frist von zwei Jahren treten hier die Nachrüstverpflichtungen in Kraft.
  • Öl- und Gas-Heizkessel, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut worden sind, dürfen seit Ende 2008 nicht mehr betrieben und müssen ausgetauscht werden.
  • Die Pflicht zur nachträglichen Dämmung der obersten Geschossdecke wurde ausgeweitet: Mussten bereits bisher "zugängliche, aber nicht begehbare" oberste Geschossdecken gedämmt werden, so gilt dies ab 2012 auch für begehbare oberste Geschossdecken, zum Beispiel für nicht ausgebaute Speicher. Alternativ dazu kann auch das darüber liegende Dach gedämmt werden. Bei selbstgenutzten Ein- oder Zweifamilienhäusern gelten diese Anforderungen nur im Falle eines Eigentümerwechsels.

Einige EnEV-Richtlinien sind bei jedem Altbau bis zu einem festgelegten Termin zu erfüllen, während sich andere EnEV-Vorschriften auf die Durchführung von Sanierungsmaßnahmen beziehen, für die sich der Bauherr freiwillig entscheidet, um den Bestand energetisch zu optimieren.

Anforderungen der EnEV 2013, gültig ab 1. Mai 2014

Für Neubauten

  • Verschärfung der primärenergetischen Anforderungen (Gesamtenergieeffizienz) an neu gebaute Wohn- und Nichtwohngebäude um 25 Prozent ab 1.1.2016. Die Wärmedämmung der Gebäudehülle muss zudem im Schnitt etwa 20 Prozent besser ausgeführt werden

Für Bestandsgebäude

  • Erweiterung der Austauschpflicht für alte Heizkessel: Konstanttemperaturkessel müssen nach Ablauf von 30 Jahren ausgetauscht werden. (Ausnahme für Eigentümer von Häusern mit ein bis zwei Wohnungen, wie oben)
  • oberste Geschossdecken müssen bis zum 31.12.2015 gedämmt werden (U-Wert maximal 0,24 W/m²K), wenn Decke oder Dach nicht den Mindestwärmeschutz erfüllen. 

Anforderung bei Sanierung

Diese Anforderungen regeln Mindeststandards, wenn Bauteile - aus welchen Gründen auch immer - verändert oder erneuert werden sollen oder müssen. Wenn der Bauherr zum Beispiel die Fassade seines Hauses neu verputzen lassen will, ein Austausch der Fenster ansteht oder das Dach ausgebaut werden soll, gilt grundsätzlich, dass sich die energetische Qualität des Gebäudes nicht verschlechtern darf und bestimmte Mindeststandards für die geplante Maßnahme einzuhalten sind.

Geforderte Dämmung bei Sanierung

Bei der Sanierung bestehender Gebäude müssen gemäß aktueller Energieeinsparverordnung EnEV 2013 folgende U-Werte (Dämmqualität des Bauteils insgesamt) eingehalten werden, (alternativ kann eine Gesamtbilanz erstellt werden):

Bauteil U-Wert maximal
Außenwand0,24 W/(m²·K)
ca. 14 cm Dämmung*
Fenster1,30 W/(m²·K)
U-Wert für Glas+Rahmen
Dachflächenfenster1,40 W/(m²·K)
U-Wert für Glas+Rahmen
geneigtes Dach, Obere Geschossdecke0,24 W/(m²·K)
ca. 16 - 18 cm Dämmung*
Flachdach0,20 W/(m²·K)
ca. 18 cm Dämmung*
Kellerdecke0,30 W/(m²·K)
ca. 11 cm Dämmung*

* hier sind in Bezug auf die Dämmstoffstärken nur Schätzwerte aufgeführt, der genaue Wert ist abhängig von der jeweiligen Konstruktion, den Dämmstoffen und den Dämmqualitäten.

Beim Dach ist zusätzlich zu beachten, dass wenn der Wärmeschutz als Zwischensparrendämmung ausgeführt wird und die Dämmschichtdicke wegen einer innenseitigen Bekleidung oder der Sparrenhöhe begrenzt ist, so gelten die Anforderungen als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtstärke eingebaut wird.

Tipp

Wenn Sie Ihr Gebäude energetisch sanieren bzw. modernisieren, dann sollten Sie sich nicht mit den aktuellen Mindeststandards zufrieden geben, denn diese sind nach wenigen Jahren bereits wieder überholt. Ein Haus soll über Jahrzehnte in der Bausubstanz gesichert sein und wirtschaftlich unterhalten werden können. Wer nur die Mindestanforderungen erfüllt, läuft Gefahr, dass ein Haus in wenigen Jahren bereits nicht mehr den dann marktüblichen Wärmeschutz erfüllt.  Im Vermietungs- oder Verkaufsfall bietet dieses Gebäude ungünstigere Vorraussetzungen gegenüber besonders energieeffizienten Immobilien mit niedrigen Betriebskosten.

Kontrolle durch Sachverständige und Schornsteinfeger

Bei genehmigungsfreien Vorhaben erfolgt die Bestätigung der Einhaltung der EnEV durch das jeweilige Fachunternehmen (Unternehmererklärung). Das Testat muss vom Gebäudeeigentümer mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden.

Bei großen baulichen Änderungen bestehender Gebäude, die einen Nachweis der EnEV erfordern, muss sich die Bauherrin oder der Bauherr die Einhaltung der Anforderungen von einem Sachverständigen für Wärmeschutz bestätigen lassen.

Die Bezirksschornsteinfegermeister sollen künftig im Rahmen der Feuerstättenschau überprüfen, ob die Heizkessel nachgerüstet, die Rohrleitungen gedämmt wurden und ob die heizungstechnischen Anlagen der EnEV entsprechen. Bei Verstößen setzt der Schornsteinfeger dem Gebäudeeigentümer eine Frist, um den Auflagen nachzukommen. Lässt der Eigentümer die Frist verstreichen, wird die zuständige Behörde informiert.

Die EnEV benutzt für die Bewertung des Energiebedarfs drei Begriffe:
Primärenergie, Endenergie und Nutzenergie

Primärenergie / Primärenergiekennwert

Der Primärenergiekennwert definiert, wie viel Energie pro Quadratmeter Wohnfläche in einem Jahr für die Raumheizung, die Warmwasserbereitung sowie die "vorgelagerte Prozesskette" rechnerisch benötigt wird. Unter der "vorgelagerten Prozesskette" versteht man die Rohstoffgewinnung, den Transport und die Energieumwandlung. Das Ausmaß der Förderung von energetischen Modernisierungsmaßnahmen (bei der Bearbeitung / Sanierung des gesamten Gebäudes zu einem "Effizienzhaus") durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hängt wesentlich von diesem Kennwert ab.

Endenergie / Endenergiekennwert

Der Endenergiekennwert ist der gemessene Energieverbrauch des Gebäudes (in Litern an Heizöl oder Kilowattstunden Erdgas oder Strom). So hat ein typisches Einfamilienhaus aus den 60er Jahren einen Jahres-Endenergiebedarf von 160 bis 220 kWh pro Quadratmeter. Häuser mit guter Energieeffizienz können Werte um die 40 - 50 kWh haben, Passivhäuser sogar nur von 10 bis 15 Kilowattstunden - also einen Bruchteil des heutigen durchschnittlichen Energiebedarfs.

Nutzenergie

Definiert die tatsächlich genutzte Energie, z.B. 1000 m³ Gas etc.

Mindestwärmeschutz gemäß DIN 4108-02:

Der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-02 ist eine seit vielen Jahren bestehende Baunorm, die für die Dämmung einzelner Bauteile vorgibt, wie stark diese mindestens gedämmt sein müssen. Die Vorschriften dieser DIN greifen immer dann, wenn im konkreten Fall die EnEV keine Vorschriften zur Verbesserung der Energieeffizienz eines Bauteils enthält (zum Beispiel wenn die 10%-Bagatellgrenze unterschritten wird).

DIN 1946-6, Mai 2009

Ein Lüftungskonzept ist verpflichtend vorgeschrieben, wenn im Ein- und Mehrfamilienhaus mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht bzw. im Einfamilienhaus mehr als 1/3 der Dachfläche neu abgedichtet werden.

Nachbarrecht NRW § 23a, Wärmedämmung an Gebäuden

Der Eigentümer bzw. die Eigentümerin eines Grundstücks hat die Überbauung seines bzw. ihres Grundstücks aufgrund von Maßnahmen, die an bestehenden Gebäuden für Zwecke der Wärmedämmung vorgenommen werden, zu dulden, wenn eine vergleichbare Wärmedämmung auf andere Weise nicht mit vertretbarem Aufwand vorgenommen werden kann und die Überbauung die Benutzung des Grundstücks nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt. Eine wesentliche Beeinträchtigung ist insbesondere dann anzunehmen, wenn die Überbauung die Grenze zum Nachbargrundstück in der Tiefe um mehr als 0,25 m überschreitet. Die Duldungspflicht nach Satz 1 erstreckt sich auch auf die mit der Wärmedämmung zusammenhängenden notwendigen Änderungen von Bauteilen.

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