Energieeeffizienz und Denkmalschutz

In der Stadt Bonn findet man etwas mehr als 4.000 Baudenkmäler, welche manche Straßenzüge oder auch ganze Viertel prägen. Ihre denkmalgeschützten Fassaden verfügen über reich dekorierten Stuck oder erhaltenswertes Fachwerk. Bei den meisten denkmalgeschützten Häusern handelt es sich um sehr beliebten Wohnraum. Und dies, obwohl der Heizwärmebedarf unsanierter Häuser bei über 300 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) liegen kann. Zum Vergleich: Der Wert beträgt im durchschnittlichen Wohngebäudebestand ca. 150 kWh/m²a und bei ener­getisch sanierten Gebäuden ca. 100 kWh/m²a.

Wenn Sie solch eine Immobilie erwerben oder die zyklischen Sanierungen anstehen, sollten Sie unbedingt energieeffiziente Maßnahmen in Betracht ziehen, um den Charme der vergangenen Tage mit dem Wohnkomfort und der Energieeinsparung von heute unter einem Dach zu vereinen.

Die Sanierungen sind sensibel anzugehen. Denn bei bestehenden und handwerklich anspruchsvollen Ausführungen ist immer eine Einzelbetrachtung notwendig. Nur selten kann man eine Standardlösung anwenden. So sollten Sie beispielsweise im Sockelbereich, an den Balkenköpfen der Holzdecken oder am Dach wegen eventueller Feuchteprobleme eine Anamnese des Ist-Zustandes und ggf. eine Detailplanung vom sachkundigen Planer durchführen lassen.

 

Auch wenn Baudenkmäler von gesetzlichen Vorschriften, wie der Energieeinsparverordnung (EnEV) und der Energieausweispflicht befreit sind, sollte man jedes Gebäude immer als Ganzes betrachten. Dies bedeutet beispielsweise, dass man Fenster passend zur Einbausituation wählen, wobei der U-Wert (Wärmedurchgang) der Wand gleich oder besser als der der Fenster sein sollte. Erst nach der Aufwertung der Gebäudehülle sollte eine geeignete Heizung gewählt werden, um diese nicht zu groß zu dimensionieren.

Im Zuge der Sanierungsplanung sollten Sie einem Lüftungskonzept zum Schutz der Gebäudekonstruktion besondere Aufmerksamkeit schenken. Insbesondere, wenn Fenster getauscht und / oder das Dach gedämmt werden, wenn Sie ein großes Haus in kleinere Wohneinheiten aufteilen oder wenn innenliegende, fensterlose Bäder vorhanden sind. Moderne Lüftungssysteme führen die Feuchtigkeit kontrolliert ab und beugen Schimmelgefahr vor. Gleichzeitig verbessern sie den Wohnkomfort: weder dringt Stadtlärm durch die zum Lüften geöffneten Fenster, noch gelangen Allergene in die Wohnung, denn die Luftzufuhr wird automatisch gefiltert.

Nachwachsende Rohstoffe lassen sich wegen ihrer baupysikalischen Vorteile besonders gut in die Sanierung älterer Häuser einbinden, da sie entweder schon früher dort verbaut wurden oder vorhandene Bausubstanz adäquat ergänzen. Beispiele für nachwachsende Rohstoffe sind Lehmputz, Stroh, etc.

Fördermöglichkeiten:

■  Programm „KfW-Effizienzhaus-Denkmal“
www.kfw.de

■  Die Suche nach einem einzubindenden Denkmalsachverständigen erleichtert die website
www.energie-effizienz-experten.de

■  Alternativ: steuerliche Vergünstigungen
§ 40 DSchG NRW

■ Im Falle selbstgenutzten Wohnraums: kommt ein Darlehen bei der NRW.Bank in Frage > zu finden unter www.nrwbank.de > Denkmalgerechte Erneuerung

 

Die Vorteile der energetischen Sanierung von denkmalgeschützten Häusern liegen auf der Hand:

■  Erhalt der lokalen Kultur und Identität, sowie das Erbe vergangener Generationen

■  Steigerung des Wohnkomforts

■  Senkung der Nebenkosten

■  Verlängerung der Sanierungszyklen

■ Gebäudemodernisierung ist nachhaltiger als Gebäudeabriss und -neubau (Erhalt „grauer Energie“)

 

Beratungsmöglichkeiten in Bonn:

■  Bonner Energie Agentur > Architekten mit Schwerpunkt „Denkmalpflege“ sind zu finden unter Rubrik „Energie Effizienzpartner“ www.bonner-energie-agentur.de

■  Architektenkammer NRW www.aknw.de
Folgen Sie auf der Homepage den Unterpunkten > Bauherren > Architektenliste > Denkmalpflege

■  Untere Denkmalbehörde der Bundesstadt Bonn www.bonn.de > Denkmalpflege

 

Übergeordnete Beratungsmöglichkeiten:

■  Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz www.nrw-stiftung.de

■  Deutsche Stiftung Denkmalschutz www.denkmalschutz.de

■  Unternehmensverband Historische Baustoffe www.historische-baustoffe.de

 

TIPPS

Wir empfehlen Ihnen, folgende Punkte in dieser Reihenfolge zu beachten:

■  Sorgfältige Bestandsaufnahme durch erfahrene Fachleute erstellen lassen. Definieren Sie den eigenen Bedarf und ihre eigenen Wünsche.

■  Kontaktieren Sie vor Beginn die örtliche Denkmalbehörde (§9 DSchG NRW).

■  Lassen Sie ein sensibles Sanierungskonzept durch einen erfahrenen Planer erstellen, welches energieeffiziente Maßnahmen berücksichtigt und stimmen Sie dieses mit dem Denkmalamt ab.

■  Prüfen Sie Finanzierungs-/Fördermöglichkeiten (lokal / KfW / Steuern).

■ Detaillierte Planung von erfahrenen Beratern und Planern erstellen lassen.

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