Gut, dass es die Bonner Energie Agentur gibt

„Auf dem Weg zur Klimaneutralität sind Sie unverzichtbar“: Das attestierte Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner den Mitarbeiter*innen der Bonner Energie Agentur (BEA) am vergangenen Mittwoch im Bonner Universitätsclub. Die Verantwortlichen des Vereins, der 2010 durch einen Ratsbeschluss der Stadt Bonn ins Leben gerufen und am 12. Juni 2012 offiziell gegründet wurde, feierten dort das zehnjährige Bestehen der Einrichtung. Mit dabei: Zahlreiche Gäste, die den Weg der BEA unterstützten und begleiteten, sowie die Vertreterinnen und Vertreter der 22 Mitgliedsinstitutionen. In ihrem Gepäck: viele schöne Erinnerungen, gute Wünsche und wertvolle Informationen.

Durch den Abend führte Moderatorin Sonja Fuhrmann. „Egal, in welcher Funktion Sie hier sind. Wir sitzen alle in einem Boot und stehen angesichts der Energie- und Klimakrise vor großen Herausforderungen. Gut, dass es die BEA gibt“, sagte sie und übergab das Wort an Monika Hallstein – an die Frau, die mit der BEA „ein zehnjähriges Kind adoptiert“ habe. Denn die Leiterin des Programmbüros Klimaneutrales Bonn 2035 ist seit Mai Vorstandsvorsitzende des Vereins.

Unabhängige Fachberatung für energetisches Bauen und Sanieren

„Tatsächlich war es so, dass ich, als ich erzählt habe, nach Bonn zu gehen, zu hören bekam: Gute Entscheidung, Bonn hat eine Energieagentur“, so Hallstein. Zehn Jahre, das sei ein tolles Alter. Den Weg für das gesunde Heranwachsen habe Achim Helbig, ihr Vorgänger im Vorstandsamt, sehr gut bereitet. Als damaliger Kopf der Leitstelle Klimaschutz war er es, der sich 2010 bei der Stadt Bonn aktiv für die Einrichtung einer unabhängigen Fachberatung für energetisches Bauen und Sanieren einsetzte. Das Ziel: ein niederschwelliges Beratungsangebot kostenfrei für Bonner Bürgerinnen und Bürgerinnen anzubieten.

Mehr als 9000 Beratungen in zehn Jahren

Dank dieser Initiative „hat die BEA in zehn Jahren mehr als 9000 Beratungen mit 2,3 Stellen oder vier Mitarbeiterinnen und vier freien Energieberatern durchgeführt“, erklärte Hallstein dem Publikum. Pro persönlicher Energieberatung werden 0,5 Tonnen jährliche CO2-Einsparung generiert, so das Ergebnis einer BEA-Evaluation – präsentiert auf einer der „Geburtstags“-Infotafeln im Saal.

Bei den dringenden Fragestellungen, die die BEA erreichen, so Hallstein weiter, gelte es vor allem, mehr Gebäude in Richtung Klimaneutralität zu sanieren und weg vom Gas zu kommen - nicht nur durch private Bauherren, sondern auch in den Quartieren. „Wir müssen uns für die nächsten Jahre bis zu unserem Ziel Klimaneutralität 2035 noch stärker aufstellen. Deshalb haben wir Finanzmittel für die BEA in Höhe einer neuen Vollzeitstelle für den städtischen Doppelhaushalt angemeldet. Drücken wir die Daumen, dass der Rat dies bewilligt“, sagte Hallstein zum Abschluss ihrer Festrede.

Einstimmiger Ratsbeschluss für Bonner Energie Agentur

Einstimmig sei 2010 zumindest der „wegweisende Beschluss des Rates für die BEA getroffen worden“, sagte die Oberbürgermeisterin in ihrem Grußwort und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: „Das ist nicht typisch für die Kommunalpolitik und zeugt von dem Bewusstsein, mit dem die Entscheidung getroffen wurde, und von der Notwendigkeit, die BEA mit ihren Aufgaben zu betrauen.“ Es sei gelungen, in der BEA, die zu 80 Prozent aus dem städtischen Haushalt finanziert werde, alle relevanten Player aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen. „Die BEA ist etabliert. Die Wirkung auf die Stadtgesellschaft ist herausragend. Sie ist eine großartige Einrichtung mit Netzwerk und Expertise, auf die die Stadt zählen kann“, so Dörner.

Dringlichkeit für Klimaschutz schon vor zehn Jahren gegeben

„Früher galt Klimaschutz ja eher als ,nice to have‘. Jetzt hat das Thema so richtig Fahrt aufgenommen. Hätten Sie damit gerechnet?“, fragte Moderatorin Sonja Fuhrmann Celia Schütze. „Ich habe es mir immer gewünscht. Denn die Dringlichkeit war stets gegeben, aber absehbar war die Entwicklung nicht. Denn wir reden von Sanierungsraten von einem Prozent, das heißt in 100 Jahren sind alle Gebäude energetisch saniert. Das ist zu langsam – wir brauchen mindestens 4 Prozent“, antwortete die Geschäftsführerin der BEA, die von Anfang an dabei ist.

Auf was sie angesichts von zehn Jahren BEA stolz sei? „Dass wir Vertrauen gewinnen konnten mit dem, was wir beraten, mit dem, was unser Know-how ist. Dass unsere Mitglieder uns als Kooperationspartner vertrauen. Dass die Presse auf unsere Expertise zurückgreift. Dass wir es schaffen, uns über die Disziplinen und Gewerke hinweg auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Auf unser Team“, so Schütze und erinnerte an dieser Stelle an ihre verstorbene Kollegin Angela Schmidt-Püttman, die den Aufbau der Bonner Energie Agentur und die Entwicklung bis zu ihrem Tod mit großem Engagement begleitet hat.

Und wenn Celia Schütze nach dem Blick zurück einen Wunsch für die Zukunft frei hätte? „Unsere Bedeutung hat sich mit dem Beschluss, dass Bonn klimaneutral werden will, verändert. Da spielen Sanierung, klimaneutraler Gebäudebestand und die Frage, wie man das umsetzt, eine neue Rolle. In dem Prozess sehe ich uns als wichtigen Partner. Wir haben eine gute Struktur und ein gutes Standing. Das durch mehr Personal zu vergrößern sehe ich als naheliegenden Wunsch“, sagte Schütze.

Bei der Energieberatung laufen die Telefone heiß

Über ihre Tätigkeit als Energieberater sprachen Sabine Breil und Lars Klitzke im Anschluss: „Momentan laufen die Telefone heiß; wir tun, was wir können.“ In erster Linie ginge es um Photovoltaik und Wärmepumpen, so Breil: „Die Menschen machen sich konkrete Gedanken über ihre Versorgung. Wir beraten sie ganzheitlich. Brechen allgemeines Wissen auf ihren Einzelfall herunter. Denn die Menschen werden nur mitgehen, wenn sie verstehen, was wir beraten.“

Die grüne Bonner Bundestagabgeordnete Katrin Uhlig berichtete dem Publikum, wie in Berlin die Weichen für eine klimaneutrale Zukunft gestellt werden. Sie gab deshalb einen Überblick über die Arbeit der letzten Monate des Ausschusses für Klimaschutz – von der Verbesserung der Förderung für PV-Anlagen bis hin zur Novellierung des EE-Gesetzes. Sie wünschte der BEA, ihren Weg auch die nächsten zehn Jahre weiterzugehen, damit „wir gemeinsam Energie einsparen“. Dem konnte Celia Schütze nur zustimmen: „Energieeinsparung schützt uns vor Versorgungsengpässen, hohen Kosten und dem Klimawandel.“

Gesa Maschkowski vom Verein Bonn im Wandel stellte die Initiative Bonn4Future vor, die derzeit maßgeblich am Bürgerbeteiligungsverfahren zum Klimaplan der Stadt Bonn beteiligt ist, und erste Ideen, wie Bonn die Klimaneutralität erreichen kann. „Die BEA hat an dieser Stelle ganz viel fachliches Know-how eingespeist. Ohne BEA geht es nicht“, so Maschkowski.

Zeit für Fragen aus dem Publikum

Nach ihr gehörte die Bühne der abschließenden Podiumsdiskussionsrunde. Bei der beantworteten OB Dörner sowie Heike Hirschmann (Verbraucherzentrale NRW und BEA-Vorstandsmitglied), Thomas Radermacher (Kreishandwerkermeister und BEA-Vorstandsmitglied), Katrin Uhlig und Marco Westphal (Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn und BEA-Vorstandmitglied) die per Online-Umfrage sowie handschriftlich gesammelten Fragen aus dem Publikum. Zum Beispiel die, ob die Fernwärme der SWB bis 2035 ebenfalls klimaneutral ist. Oder wie sich der ländliche Raum um Bonn in Sachen Energiewende mitdenken lässt. Oder wie sich die Energiewende sozialverträglich gestalten lässt.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe gemeinsam angehen

Zum krönenden Abschluss wurde in geselliger Runde gefeiert und das Netzwerk der BEA ausgeweitet, um die Transformation der großen gesamtgesellschaftlichen Aufgaben noch „gemeinsamer“ anzugehen. „Denn unsere Aufgabe, den Klimaschutz auf lokaler Ebene zu verbessern, ist dringlicher denn je“, so Schütze. „Ich freue mich an dieser Stelle, dass alle verstanden haben, dass wir gute Arbeit leisten und es Sinn macht, uns künftig noch stärker zu unterstützen.“ Das nahm das BEA-Mitglied Volksbank Köln-Bonn, vertreten durch Frank Schmantek, unmittelbar zum Anlass, einen Geburtstagsscheck über 500 Euro zu überreichen.