2020: Goldene Zeiten für Sanierung und Heizungstausch

Fördergelder zur energetischen Gebäudesanierung nutzen, Bild: ©pixabay.com / nattanan23

Wir beraten zum richtigen Förderweg

Gestiegene Fördermittel, steuerliche Förderung und CO2-Bepreisung nach dem Klimapaket

Für den Einbau einer energieeffizienten und klimafreundlichen Heizung ist laut den Berater*innen der Bonner Energie Agentur jetzt ein sehr günstiger Zeitpunkt. „Nach der Verabschiedung des Klimapakets der Bundesregierung sind die Fördertöpfe der staatlichen KfW-Bank und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sehr gut gefüllt, sowohl für die Sanierung als auch für den Neubau“, begründet BEA-Geschäftsführerin Celia Schütze diese Einschätzung. Für Sanierungsmaßnahmen wie Heizungsaustausch, den Einbau neuer Fenster sowie Dach- und Fassadendämmung besteht zusätzlich auch die Möglichkeit einer steuerlichen Förderung. Dabei können Eigentümer*innen von einem Steuerabzug profitieren.

Lesen Sie zur steuerlichen Förderung weitere Einzelheiten und Hinweise weiter unten im Text.

Vor dem Hintergrund dieses Förderhochs rät BEA-Berater Lars Klitzke den Eigentümer*innen von Häusern oder Wohnungen, die aktuell in der BEA-Geschäftsstelle Rat suchen, bei energetischen Sanierungsplänen nicht länger zu warten. Der Bauphysiker hält noch weitere Argumente für sie bereit: „Ab 2021 wird ein CO2-Preis eingeführt, der die Kosten für fossile Brennstoffe schrittweise erhöhen wird. Außerdem sieht das neue Gebäudeenergiegesetz, das voraussichtlich im Herbst 2020 verabschiedet wird, ab 2026 ein Verbot neuer Ölheizungen vor.“

Jetzt aktiv werden macht sich direkt und langfristig bezahlt

„Nichts tun, kostet“, beschreibt Klitzke in aller Kürze die unmittelbar spürbare Auswirkung des neuen CO2-Preises. Denn jede Tonne CO2 aus Brennstoffen erhöht ab sofort den individuellen Energiebezugspreis. Für ein durchschnittliches 150-Quadratmeter-Haus mit rund 2.000 Litern Heizölverbrauch im Jahr ergeben sich stolze Mehrkosten von 1.200 Euro in fünf Jahren, wie das Informationsprogramm „Zukunft Altbau“ für 2021-2025 errechnet hat. Hinzu kommen weitere Ausgaben in Höhe des langfristig zu erwartenden Preisanstiegs für fossile Brennstoffe.

Staatliche Unterstützung für den Umstieg auf erneuerbare Energien 

Auch im Sinne des Klimaschutzes und endlicher Ressourcen gilt es umzudenken und für den eigenen Energiebedarf umweltfreundliche Alternativen zu nutzen. Weil der Umstieg finanzierbar sein muss, unterstützt der Staat Bürger*innen, die jetzt aktiv werden. Wer sich ab 2020 von seiner alten Ölheizung verabschiedet und auf erneuerbare Energien umsteigt, kann sich Zuschüsse durch das BAFA von bis zu 45 Prozent sichern.

Die Höhe der Zuschüsse beim Heizungstausch hängt davon ab, ob man ganz oder teilweise auf erneuerbare Energie umsteigt. In einem Beispiel rechnet BEA-Berater Klitzke vor, dass bei einem Wechsel von Öl zu Wärmepumpe oder Holzpellets, jeweils in Kombination mit einer Solaranlage, bei überschläglichen Kosten von rund 30.000 Euro mit einem Zuschuss von 45 Prozent gerechnet werden kann, also 13.500 Euro. Auch ein Umstieg auf eine „Gas-Hybrid-Anlage“ mit einem 25-prozentigen Anteil erneuerbarer Energie wird gefördert. Je nach Ausganglage erhält man hier einen Zuschuss des BAFA von 20 bis 40 Prozent der förderfähigen Kosten. Die Förderung für Heizungen mit erneuerbaren Energien gilt auch für Neubauten.

Erhöhter Zuschuss bei energieeffizienter Sanierung zum Effizienzhaus

Ein weiteres Beispiel der BEA für eine Sanierung betrachtet einen typischen Sanierungsfall, ein  Gebäude aus dem Jahr 1970, bei dem Modernisierungsbedarf besteht: das Dach ist 50 Jahre alt, ein neuer Fassadenanstrich ist nötig, die Fenster stammen von 1990 und die Kellerdecke soll gedämmt werden. Auf die Eigentümer*innen kommen somit die Instandhaltungskosten zu. Wenn nun zusätzlich in eine Fassadendämmung und eine moderne Heizung investiert wird, kann ein „KfW-Effizienzhaus“ erreicht werden. Je nach Standard erhält man hierfür aktuell einen Tilgungszuschuss von 25 bis 40 Prozent der förderfähigen Kosten, das entspricht 30.000 bis 48.000 Euro je Wohneinheit. Die Restkosten können mit 0,75% effektiv über den KfW-Kredit finanziert werden. Auch Einzelmaßnahmen werden gefördert, hier erhöht sich der Tilgungszuschuss auf bis zu 10.000 Euro je Wohneinheit.

Die Förderung einer BAFA-Vor-Ort-Beratung mit individuellem Sanierungsfahrplan steigt ab 01.02.2020 ebenfalls, von 60 auf 80 Prozent Zuschuss, maximal 1.300 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser. Hiermit besteht die Möglichkeit, durch eine Energiebilanz zu ermitteln, mit welchen Maßnahmen ein moderner „KfW-Effizienzhaus“-Standard mit entsprechend hohen Zuschüssen erreicht werden kann.

Fazit: mit guter Beratung den richtigen Förderweg einschlagen

Laut Celia Schütze sind die verschiedenen Förderwege unterschiedlich zu bewerten. Bei der KfW-Förderung wurden keine grundsätzlichen Neuerungen im Antragsverfahren eingeführt. Hier besteht ein bekannter Ablauf, bei dem auf die Beteiligten nicht viel Neues zukommt. Die BAFA-Förderung „Heizen mit erneuerbaren Energien“ wurde neu eingeführt und läuft über ein eigenes Online-Verfahren. Ihre Empfehlung lautet: „Nutzen Sie die Förderangebote von KfW und BAFA. Die Anforderungen sind in etwa gleich wie bei der steuerlichen Förderung, die Fördersätze zum Teil noch höher und die Fördermittel stehen direkt nach der Sanierungsabwicklung zur Verfügung. Die steuerliche Förderung verteilt sich dagegen auf drei Jahre im Anschluss an die Sanierung.“  Außerdem empfiehlt sie, sich vorab ein bisschen Zeit zu nehmen und gut beraten zu lassen: „Das A und O einer gelungenen Sanierung ist ein guter Start mit einer durchdachten Planung“, so Celia Schütze. Und auch wenn viele beim Klimaschutz als erstes an erneuerbare Energien denken, sollten Hauseigentümer*innen ihr Gebäude als Gesamtsystem betrachten und „ganzheitlich“ sanieren und modernisieren. Denn je besser die Dämmung und je niedriger der Energieverbrauch, desto größer wird die Bandbreite der möglichen modernen Heizungstechniken, die im Gebäude eingesetzt werden können.

Die Bonner Energie Agentur berät Eigentümer*innen individuell und neutral bei den verschiedensten Bau- und Sanierungsvorhaben zu Heizungstechnik und Dämmung, empfiehlt passende Maßnahmen und Fördermittel sowie qualifizierte Fachleute. Termine können vereinbart werden für montags und donnerstags (8.30 - 12.30 Uhr und 13.30 - 17.30 Uhr), aktuell Corona-bedingt nur telefonisch unter Tel. 0228 / 77 50 60 oder per Mail an info@bea.bonn.de, bald auch wieder persönlich in der Geschäftsstelle in der Stadthaus Loggia (Thomas-Mann-Straße 2-4, 53111 Bonn).  .

Weitere Informationen finden Sie hier:

BAFA Heizen mit erneuerbaren Energien

https://www.bafa.de/DE/Energie/Heizen_mit_Erneuerbaren_Energien/Foerderprogramm_im_Ueberblick/foerderprogramm_im_ueberblick_node.html

KfW Förderung Sanierung und Neubau

https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/EBS-2020/

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/F%C3%B6rderprogramme-(Inlandsf%C3%B6rderung)/PDF-Dokumente/Arbeitshilfen-Pr%C3%A4sentationen/Pr_%C3%84nderungen_EBS_24_01_2020.pdf

_____________________________________________________________________________

Steuerliche Förderung

Wie hoch sind die steuerlichen Vergünstigungen?
Bei Einzelmaßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung sind 20 Prozent der Aufwendungen steuerlich abzugsfähig. Die eigene Steuerlast ermäßigt sich – nachdem die üblichen individuellen Abzüge erfolgt sind – um die Aufwendungen (= Kosten) für energetische Maßnahmen. Und zwar wird der Abzug verteilt auf 3 Jahre: Es werden je 7% der Aufwendungen, max. 14.000 € in den ersten beiden Jahren und im 3. Jahr 6% der Aufwendungen, max. 12.000 € angesetzt.

Nach §35c EStG (1) Für energetische Maßnahmen an einem in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum belegenen zu eigenen Wohnzwecken genutzten eigenen Gebäude (begünstigtes Objekt) ermäßigt sich auf Antrag die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, im Kalenderjahr des Abschlusses der energetischen Maßnahme und im nächsten Kalenderjahr um je 7 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um je 14 000 Euro und im übernächsten Kalenderjahr um 6 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 12.000 Euro für das begünstigte Objekt Aufwendungen für energetische Maßnahmen können also max. mit 40.000 € (2x 14.000 + 12.000) auf die eigene Steuerlast angewendet werden.

Wie viel das für den Einzelnen in Euro ausmacht, ist individuell und hängt von der steuerlichen Situation ab.

Bei der Baubegleitung und Fachplanung sind abweichend davon 50 Prozent der anfallenden Kosten abzugsfähig. Interessant ist der Steuerbonus für Eigentümer*innen, für die ein Kredit nicht infrage kommt wie beispielsweise Rentner oder Selbstständige. Die Regelungen gelten bis 2030.

Welche Maßnahmen werden gefördert?
Vorausgesetzt, die Wohnung oder das Wohngebäude ist mindestens zehn Jahre alt und wird selbst bewohnt, sind Einzelmaßnahmen wie die Dämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken sowie der Austausch von Fenstern oder Außentüren förderfähig. Vom Steuerbonus profitieren Eigentümer*innen außerdem beim Heizungsaustausch und einer Optimierung der Heizungsanlage. Aber auch der Einbau einer Lüftungsanlage oder von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung wird steuerlich gefördert. Wichtig ist: wer eine öffentliche Förderung für die Sanierung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder das dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Anspruch nimmt, kann den Steuerbonus nicht geltend machen. Förderfähig sind nur Arbeiten, die von einem Fachbetrieb ausgeführt wurden.

Stichwort Corona: Die meisten Handwerksbetriebe bieten auch in Corona-Zeiten ihre Leistungen im gewohnten Umfang an, ebenso die Energieberatungs-Büros.

Wie kann die Förderung beantragt werden?
Vor Beginn der Baumaßnahmen ist kein Antrag erforderlich. Erst nach Abschluss der energetischen Gebäudesanierung muss diese über die amtliche Musterbescheinigung bestätigt werden. Berechtigt dazu sind sowohl die ausführenden Fachunternehmer*innen als auch qualifizierte Energieberater*innen. Die Bescheinigung wird dann gemeinsam mit der Einkommenssteuererklärung beim örtlichen Finanzamt eingereicht, um so die steuerliche Förderung geltend zu machen.

Welche Mindestanforderungen gelten an die Maßnahmen?
Die konkreten Mindestanforderungen an energetische Einzelmaßnahmen wurden Anfang des Jahres in einer gesonderten Rechtsverordnung nach § 35c des Einkommensteuergesetzes (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) festgelegt. Diese definieren zum einen detaillierte Anforderungen an jede Einzelmaßnahme, erläutern aber auch eindeutig die Anforderungen an die Fachunternehmen.

Das erforderliche Muster für die Bescheinigung von energetischen Sanierungsmaßnahmen für die steuerliche Förderung ist ab sofort online verfügbar

Seit Anfang 2020 besteht für Sanierungsmaßnahmen wie Heizungsaustausch, den Einbau neuer Fenster sowie Dach- und Fassadendämmung auch die Möglichkeit einer steuerlichen Förderung. Dabei können Eigentümer*innen von einem Steuerabzug profitieren. Für den Steuerbonus ist ein amtliches Muster vorgeschrieben, auf dem die Fachunternehmer*innen und Energieberater*innen ihre Maßnahmen bescheinigen. Dieses Dokument lag bislang noch nicht vor, wurde aber nun auf der Seite des Bundesfinanzministeriums unter www.bundesfinanzministerium.de und dem Suchbegriff „Bescheinigung des Fachunternehmens“ zum Download veröffentlicht.

Gut beraten starten
Obwohl die steuerliche Förderung von energetischen Sanierungen eine fachliche Beratung nicht zwingend vorsieht, so ist eine Energieberatung vorab doch entscheidend für ein optimales Gesamtkonzept. Bevor sich Eigentümer*innen zum Beispiel für ein modernes Heizsystem entscheiden, sollten sie im Vorfeld auch Maßnahmen zur Dämmung der Gebäudehülle berücksichtigen. Denn je besser ein Gebäude gedämmt ist, desto niedriger ist der Energieverbrauch und umso kleiner kann die Heizung ausfallen. Auch lohnt eventuell ein Vergleich mit anderen, mindestens ebenso attraktiven Fördermöglichkeiten durch die KfW und das BAFA.

Weblinks

https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35c.html

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzestexte/Gesetze_Gesetzesvorhaben/Abteilungen/Abteilung_IV/19_Legislaturperiode/Gesetze_Verordnungen/2020-01-07-ESanMV/0-Verordnung.html

https://www.deutschland-machts-effizient.de/KAENEF/Redaktion/DE/Foerderprogramme/steuerliche-foerderung-fuer-energetische-gebaeudesanierung.html

Formular zur Bestätigung der Maßnahmen

Beratung Bonner Energie Agentur
Die Bonner Energie Agentur bietet montags und donnerstags persönliche Beratung an (8.30 - 12.30 Uhr und 13.30 - 17.30 Uhr). Diese erfolgt in der Beratungsstelle, telefonisch oder per Video-Chat. Bitte vereinbaren sie einen Termin für Ihre Beratung. Die telefonische Servicezeit ist werktags von 8.30 – 12.30 Uhr.
Kontakt: Tel. 0228 / 77 50 60, E-Mail info(at)bea.bonn.de.