Fünf Jahre Bonner Energie Agentur

Seit 2012 Beratung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren

Der Verein Bonner Energie Agentur (BEA) wird in diesem Monat fünf Jahre alt. In der bisherigen Bilanz zeigt sich, dass Bonn hiermit über eine Servicestelle verfügt, von der die Eigentümerinnen und Eigentümer von Häusern oder Wohnungen, die lokale Wirtschaft und der Klimaschutz gleichermaßen profitieren. In einer Jubiläumsfeier blicken die BEA-Verantwortlichen und ihre Gäste auf die Anfangsjahre zurück und gleichzeitig mit viel Zuversicht in die Zukunft.

Bonn, den 12. Juni 2017

Qualifizierte Beratung ist unerlässlich, wenn es für Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden oder Wohnungen  um energieeffizientes Bauen und Sanieren sowie die Nutzung erneuerbarer Energien geht. Aus diesem Gedanken heraus rief die Stadt Bonn 2011 eine Energieagentur ins Leben. An dem Aufbauprozess wurden viele Akteure rund um das Sanieren, Bauen, Wohnen und Finanzieren beteiligt. Sie gründeten  vor fünf Jahren, am 12. Juni 2012, gemeinsam die Bonner Energie Agentur als eingetragenen Verein. Seitdem berät die Agentur an ihrem Standort in der Bonner Stadthaus-Loggia die Bürgerinnen und Bürger jeden Tag telefonisch und per E-Mail sowie montags und donnerstags auch in persönlichen Gesprächen in der Agentur selbst. In vielen Fällen wird den Informationssuchenden eine Vor-Ort-Beratung  zu Hause durch Experten der Verbraucherzentrale NRW (VZ NRW) empfohlen und für die Umsetzung besonders qualifizierte Beratungs- und Architekturbüros sowie Fachfirmen aus dem Kreis der „Energieeffizienz-Partner“.

Die richtige Adresse bei Gebäudesanierung und Neubau

Mit der BEA hat sich eine moderne Servicestelle zu allen Fragen rund um Bauen, Sanieren und Energie für die Bonner Bürgerinnen und Bürger etabliert. Heike Hirschmann, stellvertretende Vorsitzende der BEA und Gruppenleiterin Energieberatung der Verbraucherzentrale NRW, meint dazu: „Bonner Verbraucherinnen und Verbraucher müssen nicht mehr überlegen, ob sie Fragen rund um Gebäudesanierung und erneuerbare Energie an Architekturbüros, Handwerksbetriebe, die Stadtwerke, die Verbraucherzentrale oder eine andere Anlaufstelle richten sollen: Die Energieagentur ist einfach immer die richtige Adresse, weil alle wichtigen örtlichen Akteure aus dem Energiebereich darin eng vernetzt sind. Das ist Gold wert. Denn wer zu seiner persönlichen Energiewende aufbricht, darf nicht gleich auf den ersten Metern durch eine mühselige Suche nach dem passenden Ansprechpartner ausgebremst werden."

Die BEA macht es allen Ratsuchenden bewusst einfach, denn die rund 114.000 Wohneinheiten in Bonn (Bauten, die vor 1978 datieren) sind nur zu einem kleinen Teil saniert. Entsprechend hoch ist der Sanierungsbedarf, der keine komplizierten Informations- und Beratungswege duldet: Unter 0228 / 77 50 60 kann  man einen Beratungstermin vereinbaren. Gleich, ob es sich um die Wärmedämmung, einen Kesseltausch, die geeignete Photovoltaik-Anlage oder  Fördermittel handelt. Nach zehn bis 40 Minuten haben die Energieberater die ersten Fragen beantwortet und gemeinsam mit den Ratsuchenden ermittelt, wie die jeweilige Bau- oder Modernisierungsmaßnahme anzupacken ist. „Ganz besonders wird von den Ratsuchenden geschätzt, dass unsere Beratungen strikt produkt- und herstellerneutral sind“, erklärt dazu BEA-Geschäftsführerin Celia Schütze.

Win-win-Situation für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft, Klima

Der erste Vorsitzende der BEA und Abteilungsleiter Umweltvorsorge und -planung der Stadt Bonn, Joachim Helbig, zieht denn auch eine erfreuliche Bilanz der ersten fünf Jahre – für die ratsuchenden Bürgerinnen und Bürger, die lokale Wirtschaft und den Klimaschutz. Zwischen 2012 und 2016 seien ca. 4.350 Beratungen durchgeführt worden, per Telefon, E-Mail, persönlich und auf Messen. Weitere rund 1.700 Bürgerinnen und Bürger habe die BEA auf Vortrags- und Infoabenden informiert.

Helbig verweist auf eine Evaluation der Prognos AG. Sie ermittelte die positiven Effekte der BEA-Arbeit im Jahr 2013. Mit den gut 300 persönlichen Beratungen in der Beratungsstelle im Jahr 2013 wurden Investitionen in Höhe von 6,3 Mio. Euro begleitet. Allein auf die BEA-Beratungsleistung zurückgeführt wird die jährliche Einsparung von 1,4 Millionen Kilowattstunden (kWh) Energie, 308 Tonnen CO2 (Kohlendioxid) bzw. 100.000 Euro Energiekosten. Über die Nutzungsdauer der sanierten Bauteile errechneten die Marktforscher eine Einsparung von nahezu 29 Mio. Kilowattstunden Energie, rund 5.200 Tonnen CO2 und zwei Millionen Euro Energiekosten.

Auch aus Sicht der städtischen Leitstelle Klimaschutz ist die BEA daher eine Erfolgsgeschichte, wie Helbig resümiert: „Die Senkung des Energieverbrauchs im Altbaubestand der Stadt Bonn bietet das größte Potential für den städtischen Klimaschutz. Mit der Bonner Energie Agentur haben wir in breiter Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern ein wirksames Instrument zur Erschließung dieses Potentials geschaffen. Vor schwieriger werdenden weltpolitischen Rahmenbedingungen für den Klimaschutz ist die Bonner Energie Agentur damit auch ein Beleg für die Bedeutung und den Erfolg lokalen Engagements.

Dies sieht auch Peter Weckenbrock, stellvertretender Vorsitzender der BEA und Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn, so: „Bonn gilt heute als Welthauptstadt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Gründung der Bonner Energie Agentur vor fünf Jahren ist einer von vielen Bausteinen, mit denen dieses Prädikat erworben wurde. Die Stadtwerke Bonn gratulieren umso herzlicher, weil SWB Energie und Wasser als Gründungsmitglied die BEA mit aus der Taufe heben durfte. Heute verkörpert die BEA den Schulterschluss aller wichtigen lokalen Akteure für die Einsparung von Primärenergie, Steigerung der Energieeffizienz sowie der Nutzung erneuerbarer Energien und passt damit nahtlos zur Nachhaltigkeitsstrategie der Stadtwerke Bonn.

In der Folge einer BEA-Sanierungsberatung haben laut Evaluation 38 Prozent der Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer einen Handwerker beauftragt, 18 Prozent einen Energieberater und 13 Prozent ein Architekturbüro. Die Win-win-Situation für Bürgerschaft, Wirtschaft vor Ort und Klima hebt Thomas Radermacher, zweiter Vorsitzender der BEA und Kreishandwerksmeister Bonn/Rhein-Sieg, hervor: „Die BEA ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass Ökologie und Ökonomie sich nicht konterkarieren müssen, sondern durchaus eine Symbiose eingehen können. Wenn dabei Klimaschutz und regionale Wirtschaftsförderung gleichermaßen wirksam werden, dient das der Umwelt und den Menschen.

Podiumsdiskussion zeigt Zukunftsperspektiven auf

Zum Festakt am Freitag, 9. Juni 2017, fielen im Universitätsclub Bonn e. V. viele weitere anerkennende Worte. Oberbürgermeister Ashok Sridharan sagte: „Herzlichen Dank für dieses großartige Engagement, mit dem Sie uns helfen, unsere Klimaschutzziele zu erreichen.“  Nicht zuletzt dank der BEA rücke die Verpflichtung der Stadt Bonn gegenüber dem Convenant of Mayors, die CO2-Emmissionen bis 2020 um 20 Prozent zu senken, in greifbare Nähe. Für das Erreichen der Zielvorgabe des Klima-Bündnisses, die CO2-Emissionen bis 2030 zu halbieren, seien allerdings weitere gemeinsame Anstrengungen erforderlich.

Volker Groß, fachlich versierter Moderator von Radio Bonn Rhein-Sieg, förderte die Besonderheiten der BEA, die u. a. der Stadt Bonn 2014 den Kommunalen Klimaschutzpreis des Bundesumweltministeriums einbrachte, im Gespräch mit Joachim Helbig und Celia Schütze zutage. Seine Abschlussfrage an den 1. Vorsitzenden der BEA lautete: „Wo sehen Sie Ihre Einrichtung in fünf Jahren?“ Helbig berichtet daraufhin von „dem Wunsch der Mitglieder und der Politik nach einer Energie Agentur Bonn / Rhein-Sieg“.

Dr. Michael Kopatz, Buchautor und Projektleiter im Wuppertal Institut, hielt danach den inspirierenden Vortrag „Ökoroutine: Strukturen ändern, nicht Menschen.“ Statt nur mit moralischen Appellen und nimmermüder Verbraucherinformation und -beratung auf freiwilliger Basis das „richtige“ Verhalten der Bürgerinnen und Bürger einzufordern, sollten gesetzliche Regeln und Limits den Klimaschutz im Alltag sicherstellen – so wie bei Einführung der Anschnallpflicht im Auto oder beim erfolgreichen Nichtraucherschutz.

Seine Thesen prägten zunächst denn auch die zentrale Podiumsdiskussion „Klimaschutz, Bauen und Sanieren in Bonn“. Verbraucherschützerin Heike Hirschmann widersprach der Ansicht, dass Beratung nicht genug bringe. Die stellvertretende BEA-Vorsitzende unterstrich: „Es ist ganz wesentlich, dass wir die Verbraucherinnen und Verbraucher auf Augenhöhe bringen. Dann können wir gemeinsam mit Ihnen einen konkreten Sanierungsfahrplan, der nicht zuletzt dem Klimaschutz dient,  festlegen.“ Der Dezernent der Stadt Bonn für Planung, Umwelt und Verkehr, Helmut Wiesner, machte auf die begrenzten Möglichkeiten der Verwaltung aufmerksam, mögliche zusätzliche Regeln konsequent zu überwachen: „Da muss man die Realitäten beachten – personell und finanziell. Aufgaben wie die Gefahrenabwehr haben Vorrang.“ 

Wenn sich die BEA weiterhin so erfolgreich fortentwickle, bilde sie einen effektiven Gegenentwurf zu einem Zwangskonzept. Wiesner sprach von einer „Blaupause für andere“ auch „für andere Kommunen“. Dieser Ansicht stimmten auch die weiteren Diskussionsteilnehmer zu. Thomas Radermacher, 2. Vorsitzender der BEA und Kreishandwerksmeister Bonn/Rhein-Sieg, mahnte dabei an, den hohen Qualitätsanspruch, den das Energieeffizienzpartner-System verkörpere, beizubehalten und zu verstärken. Architekt Helmut Görgen regte als Stellvertretender Vorsitzender von Haus & Grund Bonn/Rhein-Sieg an, die Hauseigentümerinnen und -eigentümer in ihrer jeweiligen Lebenssituation persönlich anzusprechen, beispielsweise die Älteren („80 Prozent der Haus & Grund-Mitglieder“) und die Erbengeneration, die nicht vorrangig am Sanieren sondern an einer Rendite ihrer Gebäude interessiert seien. Im informellen Teil des Festaktes fanden die Diskussionen mit den zahlreichen Gästen ihre Fortsetzung. Daraus ergaben sich viele spannende Anregungen für die nächsten fünf BEA-Jahre.

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