Rechtliche Vorgaben für Neubauten:

Rechtliche Vorgaben EnEV 2013 / 2016:

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BBSR Info-Portal, Energieeinsparverordnung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) regelt die Mindestan­forde­rungen an die Energieeffizienz von Gebäuden. Die EnEV begrenzt in Abhängigkeit von einem definierten Referenzhaus (Gebäude gleicher Architektur mit vorgegebenen U-Werten für alle Bauteile) den spezifischen Transmissionswärmeverlust HT' des Gebäudes sowie den Primärenergiebedarf.

Am 01.05.2014 trat die EnEV 2013 (Energieeinspar-Verordnung) in Kraft und löste die bis dahin geltende EnEV 2009 ab. Sie zielt darauf ab, in Gebäuden Energie zu sparen. Mit der EnEV 2013 werden in Deutschland Vorgaben der EU-Gebäuderichtlinie 2010 umgesetzt, welche fordert, dass ab 2021 nur noch Niedrigstenergiegebäude errichtet werden.

Die Bundesregierung fügt in der EnEV 2014 die EnEV 2009 mit dem Erneuerbare-Energie-Wärmegesetz EEWärmeG 2011 und das Energieeinsparungsgesetz (EnEG 2013) zusammen. Um den Energiestandard von Neubauten weiter zu erhöhen, wurden in der letzten Novellierung der EnEV Verschärfungen festgelegt, die seit 01.01.2016 in Kraft getreten sind. Umgangssprachlich wird daher zum Teil von der „EnEV 2016“ gesprochen.

Seit dem Jahr 2016 gelten für Neubauten um 25 Prozent höhere energetische Anforderungen als bisher in der EnEV 2014 definiert wurden. Diese können etwa durch die Nutzung erneuerbarer Energien erfüllt werden. Gleichzeitig ist der Dämmstandard um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen. Die erhöhten Anforderungen sind ein Schritt hin zum so genannten "Niedrigstenergiegebäude". Die europäische Gebäuderichtlinie 2010 macht das Niedrigstenergiehaus oder nearly Zero Energy Building (nZEB) ab 2021 zur Pflicht. In dem Beschluss heißt es, dass das Gebäude eine „sehr hohe Energieeffizienz aufweisen muss. Der fast bei null liegende oder sehr geringe Energiebedarf sollte zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen – einschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen, die am Standort oder in der Nähe erzeugt wird – gedeckt werden.“

Der „Primärenergiebedarf“  (Q p) des Gebäudes ist für Gesetzgeber und Fachleute der maßgebliche Wert zur Kennzeichnung des Energieverbrauchs.

Der Primärenergiebedarf berücksichtigt neben dem Endenergiebedarf für Heizung und Warmwasser auch die so genannte „Vorkette“ der jeweils eingesetzten Energieträger (Erkundung, Gewinnung, Verteilung, Umwandlung).

Je kleiner der Wert, umso höher die Energieeffizienz. Er wird in Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche und Jahr (kWh / (m²a) dargestellt – als Rechenwert, der den gesamten Aufwand für die Wärmeversorgung des Hauses addiert.

Berechnet wird der gesamte Energieeinsatz, von der Quelle an. Für Heizöl z. B. muss Rohöl aus dem Boden gefördert, raffiniert und transportiert werden, bevor es im Haus als Brennstoff dienen kann. All diese Zwischenschritte verbrauchen Energie und werden bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs eines Gebäudes zusätzlich eingerechnet.

Die Nutzung Erneuerbarer Energien hingegen führt zu einem niedrigen Primärenergiebedarf, da Sonnenenergie, Erdwärme oder Holz ohne energieaufwändige Aufbereitung direkt für die Wärmeversorgung genutzt werden.

Der geplante Primärenergiebedarf darf die Höchstwerte des Referenzhauses nicht überschreiten. Das Referenzhaus ist maßgeschneidert und individuell (identische Größe, Baumaße, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung wie das geplante Wohnhaus)

Zur Planung des geforderten Primärenergiebedarfs sind die sogenannten Wärmedurchgangskoeffizienten – U-Werte – der Gebäudehülle für das Referenzgebäude  wie folgt definiert:

 

Zeile

Bauteile/ Systeme

Referenzausführung/ Wert/ Maßeinheit

 

 

Eigenschaft zu 1.1 bis 3

 

1.0

Der nach einem der in Nummer 2.1 angegebenen Verfahren berechnete Jahres-Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes nach den Zeilen 1.1 bis 8 ist für Neubauvorhaben ab dem 1. Januar 2016 mit dem Faktor 0,75 zu multiplizieren. § 28 bleibt unberührt.

 1.1

Außenwand

einschl. Einbauten wie Rolladenkästen, Geschossdecke gegen Außenluft

Wärmedurchgangskoeffizient

U = 0,28 W/(m²⋅K)

1.2

Außenwand gegen Erdreich,Bodenplatte, Wände und Decken

zu unbeheizten Räumen

Wärmedurchgangskoeffizient

U = 0,35 W/(m2⋅K)

1.3

Dach, oberste Geschossdecke,

Wände zu Abseiten

Wärmedurchgangskoeffizient

U = 0,20 W/(m2⋅K)

1.4

Fenster, Fenstertüren

Wärmedurchgangskoeffizient

UW = 1,3 W/(m2⋅K)

 

 

Gesamtenergiedurchlassgrad der Verglasung

g⊥ = 0,60

1.5

Dachflächenfenster

Wärmedurchgangskoeffizient

UW = 1,4 W/(m2⋅K)

 

 

Gesamtenergiedurchlassgrad der Verglasung

g⊥ = 0,60

1.6

Lichtkuppeln

Wärmedurchgangskoeffizient

UW = 2,7 W/(m2⋅K)

 

 

Gesamtenergiedurchlassgrad der Verglasung

g⊥ = 0,64

1.7

Außentüren

Wärmedurchgangskoeffizient

U = 1,8 W/(m2⋅K)

2

Bauteile nach den Zeilen 1.1 bis 1.7

Wärmebrückenzuschlag

ΔU WB= 0,05W/(m2⋅K)

 

Außerdem sind verschiedene Randbedingungen zu berücksichtigen, wie z.B. der Wärmebrückenzuschlag, die Bemessungswert für die Luftdichtheit der Gebäudehülle, Anforderungen des sommerlichen Wärmeschutzes und die technische Ausstattung für die Heizung, Warmwasserbereitung sowie das Lüftungskonzept.

Das Referenzgebäude versteht sich als Beispielrechnung. Man kann davon abweichen, muss dann aber an anderer Stelle wieder ausgleichen.

Dichtheit / Mindestluftwechsel

Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist. In DIN 4108-3 wird diese Forderung begründet: „Wände und Dächer müssen luftdicht sein, um eine Durchströmung und Mitführung von Raumluftfeuchte, die zu Tauwasserbildung in der Konstruktion führen kann, zu unterbinden.“ Die Handwerker müssen luftdicht bauen. Tun sie das nicht, liegt ein Baumangel vor.

Die Detailausführung  erfolgt gemäß den  „anerkannten Regeln der Technik“ und eine baubegleitende Überprüfung der Ausführung ist empfehlenswert.

Wird eine Messung der Luftdichtheit durchgeführt, darf das Ergebnis positiv im Energieeinsparnachweis berücksichtigt werden.

Die Anforderungen an die Luftdichtheit  beträgt für

Gebäude ohne Lüftungsanlagen  n= -3,0 h/1

Gebäude mit Lüftungsanlagen     n= -1,5 h/1

Der erforderliche Mindestluftwechsel  muss in jedem Fall gewährleistet sein.

Vorgaben für Energieausweise

Die EnEV regelt auch die Pflicht zur Ausstellung von Energieausweisen. Für Neubauten gilt: der Energieausweis muss auf der Grundlage der tatsächlichen Eigenschaften des errichteten Gebäudes erstellt werden. Die Ausstellung hat unmittelbar nach Fertigstellung des Gebäudes zu erfolgen (§16 Abs.1 EnEV). Dabei wird dem Umstand Rechnung getragen, dass sich im Laufe der Bauphase häufig Änderung im Hinblick auf die geplanten Maßnahmen ergeben. Für die Gültigkeit des Dokumentes ist es entscheidend, dass der Energieausweis den tatsächlichen Zustand des Gebäudes dokumentiert.

Häufig wird im Zuge der Baugenehmigung ein vorläufiger Energieausweis erstellt. Wer einen Energieausweis für einen Neubau vorgelegt bekommt, sollte sich daher vergewissern, dass dabei der tatsächliche Umsetzungsstand abgebildet wurde.

Anforderungen an den Wärmeschutz werden auch in der DIN 4108 Wärmeschutz formuliert. Der Geltungsbereich der DIN 4108 erstreckt sich auf die Planung und Ausführung von Aufenthaltsräumen in Hochbauten, die ihrer Bestimmung nach auf normale Innentemperaturen (> 19 °C) beheizt werden.

BBSR Info-Portal, Energieausweis

Aussteller für Energieausweise

Tipp:

Wer sich heute beim Bau eines Hauses mit den Mindeststandards der EnEV begnügt, läuft Gefahr, dass die neue Immobilie bereits kurz nach Fertigstellung bautechnisch überholt ist. Daher empfiehlt es sich, schon jetzt nach zukünftigen Effizienzstandards zu bauen. Die Mehrkosten eines energetisch höherwertigen Neubaus sind oft gar nicht so hoch und lohnen sich, insbesondere bei steigenden Energiepreisen. Zudem winken üppige Fördermittel, wenn die EnEV-Anforderungen übertroffen werden. Beispielhaft ist der bereits in vielen tausend Wohneinheiten bewährte Passivhausstandard. Ein Passivhaus kommt schon jetzt mit ungefähr der Hälfte der Energie aus, die die EnEVv ab 2016 noch im Neubau zulässt.

 

Erneuerbare Energien Wärme Gesetz

Seit dem 01.01.2009 ist das Erneuerbare Energien Wärme Gesetz in Kraft.

Ziel des EEWärmeG ist der Klimaschutz, die Schonung fossiler Ressourcen und die Minderung der Abhängigkeit von Energieimporten.

Es verpflichtet jeden Eigentümer eines neu zu errichtenden Gebäudes, seinen Wärmeenergiebedarf anteilig mit erneuerbaren Energien zu decken. Um diese Nutzungspflicht zu erfüllen, können unterschiedliche Energiequellen wie Bioenergie, Solarthermie, Geothermie oder Umweltwärme zum Einsatz kommen. Ersatzweise können andere Maßnahmen ergriffen werden, z.B. Kraft-Wärme-Kopplung, zusätzliche Dämmmaßnahmen oder die Nutzung von Wärme, die aus Nah- oder Fernwärmenetzen stammt. Dabei muss ein bestimmter Mindestanteil des gesamten Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien erzeugt werden. Der Anteil ist abhängig davon, welche erneuerbaren Energien eingesetzt werden.

BMWI EEWärmeG

 

DIN 1946-6, Lüftung von Wohngebäuden, Mai 2009

Die DIN 1946-6 schafft Regeln für die Belüftung von Wohngebäuden (Neubauten und

Sanierungen) und legt Grenzwerte sowie Berechnungsmethoden für den notwendigen

Luftaustausch fest. Sie definiert erstmalig ein Nachweisverfahren, ob eine lüftungstechnische Maßnahme für ein Gebäude erforderlich ist. Wegen der heute vorgeschriebenen energiesparenden Bauweise, sind die Haushüllen so dicht, dass bei üblichem Lüftungsverhalten nicht genügend neue Luft nachströmt. Die Folgen können

Feuchteschäden, Schimmelbefall und Schadstoffanreicherungen in der Raumluft sein. Die verschiedenen Regelwerke (u. a. Energieeinsparverordnung (EnEV), DIN 4108-2, DIN 1946-6) forderten gleichzeitig eine dichte Gebäudehülle und die Sicherstellung eines  Mindestluftwechsels. Bisher blieb offen, wie diese Mindestlüftung erfolgen muss: manuell durch den Nutzer oder durch eine Lüftungsanlage? Die aktualisierte Fassung der DIN 1946-6 schließt diese Lücke und konkretisiert, für welche Leistungen der Nutzer herangezogen werden kann und – viel wichtiger – für welche nicht.

Die DIN 1946-6 verlangt die Erstellung eines Lüftungskonzeptes für Neubauten und für Renovierungen.  Das heißt: In der Planungsphase muss festgelegt werden, wie aus Sicht der Hygiene und des Bauschutzes der notwendige Luftaustausch erfolgen kann. Das Lüftungskonzept kann von allen Fachleuten erstellt werden, die in der Planung, der Ausführung oder der Instandhaltung von lüftungstechnischen Maßnahmen oder in der Planung und Modernisierung von Gebäuden tätig sind.

Bundesverband für Wohnungslüftung e.V.

 

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