Heizungstausch: Erneuerbare Energien lösen Öl und Gas ab

Erneuerbare Energien werden fossil betriebene Heizungen in den kommenden rund 20 Jahren schrittweise ersetzen. Solarenergie, Wärmepumpen und Biomasse sind verlässliche und klimafreundliche Alternativen – auch in Bestandsgebäuden. Steigende CO₂-Kosten und hohe Effizienz können den Umstieg wirtschaftlich attraktiv machen; zudem wird der Heizungstausch staatlich gefördert.

Die durchschnittliche Lebensdauer einer Heizungsanlage beträgt rund 20 Jahre. Noch ältere Heizungen sind in der Regel so ineffizient, dass sie nicht nur das Klima, sondern auch immer mehr den Geldbeutel belasten

1. Kommunale Wärmeplanung: Wie heizen wir in Zukunft?

Wenn fossile Heizungen nicht mehr zukunftsfähig sind, wie werden wir dann heizen? Ein kommunaler Wärmeplan soll prüfen, wie Stadtteile oder Wohngebiete zukünftig am effizientesten mit Wärme versorgt werden können.

Bei Wärmenetzen wird die Wärme zentral bereitgestellt und in die Gebäude verteilt. Das einzelne Gebäude hat also keinen eigenen Wärmeerzeuger mehr und kann die „Dienstleistung Wärme“ an einen spezialisierten Anbieter abgeben, der auf Effizienz und Klimaschutz achtet.

Seit 2021 werden die CO₂-Emissionen fossiler Brennstoffe im Gebäudesektor bepreist. Dadurch steigen die laufenden Kosten für Erdgas und Heizöl zusätzlich zum eigentlichen Energiepreis. Der CO₂-Preis ist in den letzten Jahren gestiegen; 2025 beträgt der Festpreis 55 €/t CO₂, seit 2026 erfolgt die Bepreisung im nationalen Emissionshandel über Versteigerung innerhalb eines Preiskorridors von 55 bis 65 €/t CO₂.

Bei erneuerbaren Energieträgern fallen diese CO₂-Kosten auf Brennstoffe in der Regel nicht an. Emissionen aus der Stromerzeugung werden im Rahmen des europäischen Emissionshandels in den Strompreis mit eingerechnet – und mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wird Strom zunehmend klimafreundlicher.

Wärmepumpen: Modern heizen mit Umweltwärme und Ökostrom

Wärmepumpen kommen zunehmend auch in Bestandsgebäuden zum Einsatz. Sie liefern verlässlich Wärme, sparen CO₂ und sind bei guter Planung wirtschaftlich. Technisch nutzen sie Umweltwärme und „heben“ diese mithilfe von Strom auf ein nutzbares Temperaturniveau für Heizung und Warmwasser.

Wärmepumpen lassen sich nach ihrer Wärmequelle unterscheiden. Häufige Varianten sind: Luft-Wärmepumpe, Erdwärmepumpe (Sole-Wasser), PVT-Wärmepumpe, Grundwasser- und Abwasserwärmepumpe.

Für eine hohe Effizienz sind drei Punkte entscheidend: möglichst niedrige Vorlauftemperaturen (nicht über 55 Grad), passende Heizflächen und Verteilung (z. B. hydraulischer Abgleich) sowie eine zur Situation passende Wärmequelle. Der benötigte Strom wird mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zunehmend klimafreundlich – eine eigene Photovoltaikanlage kann den Wärmepumpenbetrieb zusätzlich unterstützen.

Solarenergie als Partner für die Heizung nutzen

Solarenergie kann unterschiedlich genutzt werden – hier lohnt die klare Trennung:

  • Photovoltaik (PV)erzeugt Strom. Dieser kann im Haus genutzt, gespeichert oder ins Netz eingespeist werden. Er kann vielseitig im Haus verwendet werden: für die Wärmepumpe, Elektromobilität und im Haushalt.
  • Solarthermie erzeugt Wärme auf mittleren bis höheren Temperaturen. Ihr größter Nutzen liegt in der Brauchwassererwärmung. Eine Heizungsunterstützung ist möglich, erfordert jedoch größere Kollektorflächen und einen passend ausgelegten Speicher – und bleibt saisonal begrenzt: Im Winter ist der solare Beitrag deutlich geringer als im Sommer.
  • Photovoltaik-Thermie (PVT) kombiniert PV-Strom mit zusätzlicher Wärmegewinnung auf Niedertemperaturniveau. Diese Wärme wird nicht direkt zur Warmwasserbereitung genutzt, sondern dient in der Regel als Wärmequelle für eine Wärmepumpe. Die Wärmepumpe erzeugt daraus die erforderlichen Temperaturen für Heizung und Warmwasser. 

Biomasseheizungen als Joker und im ländlichen Raum: Eine Alternative zu fossilen Energie

Eine Alternative zu fossilen Energieträgern sind biogene Brennstoffe wie Holzpellets, Holzhackschnitzel oder Scheitholz. Hackschnitzel werden aufgrund von Lager- und Anlagengröße häufiger in größeren Liegenschaften bzw. gewerblich genutzten Gebäuden eingesetzt. Biomasseheizungen eignen sich vor allem dort, wo hohe Vorlauftemperaturen erforderlich sind und eine umfassende energetische Sanierung oder die Anpassung der Heizflächen kurzfristig nicht möglich ist. Sie können außerdem als Spitzenlast- oder Reservewärmeerzeuger sinnvoll sein, z. B. in Kombination mit einer Wärmepumpe (Hybridlösung).

Fernwärme - Ein Kraftwerk versorgt viele Gebäude

Wärmenetz, Nahwärme oder Fernwärme bezeichnen dasselbe Grundprinzip: Wärme wird zentral bereitgestellt und über ein Rohrleitungsnetz zu den Gebäuden verteilt. Im Gebäude selbst ist dann in der Regel nur eine Übergabestation erforderlich. 

Die Wärme kann aus unterschiedlichen Quellen stammen –aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) (z. B. mit Erdgas, Biogas oder Biomasse), aus thermischer Abfallbehandlung (Nutzung der dabei entstehenden Wärme/Dampf), aus unvermeidbarer Abwärme (z. B. Industrieprozesse, Rechenzentren, Gewerbekälte) sowie aus Geothermie oder großen Solarthermieanlagen. Zunehmend spielen auch Großwärmepumpen eine Rolle, die Umwelt- oder Abwärme nutzbar machen (z. B. Flusswasser oder Abwasser). 

Wie klimafreundlich Fernwärme ist, hängt daher vor allem vom Energieträger, dem Wärmenetz-Mix und dem Temperaturniveau des Netzes ab. In Bonn gibt es z.B. eine Müllverbrennungsanlage, die den nicht recyclingfähigen Müll als Energiequelle nutzt. Das Fernwärmenetz ist in Teilen Bonns ausgebaut. Bei SWB Energie und Wasser können Sie herausfinden, ob bei Ihnen ein Fernwärme-Anschluss existiert. 

 

Mit niedriger Vorlauftemperatur Energie sparen

Jedes Heizsystem arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist. Das ist die Temperatur des Wassers, das vom Wärmeerzeuger zu den Heizflächen „losgeschickt“ wird. 

Damit Räume auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen ausreichend warm werden, müssen die Heizflächen passend dimensioniert sein: Je größer die Heizfläche, desto geringer kann die Vorlauftemperatur ausfallen. Flächenheizungen (z. B. Fußboden- oder Wandheizung) sind deshalb besonders effizient – aber Heizkörper sind kein K.-o.-Kriterium. Häufig reicht es, einzelne Heizkörper zu vergrößern oder die Wärmeverteilung zu optimieren.

Besonders wichtig sind möglichst niedrige Vorlauftemperaturen bei Wärmepumpen.  Als Orientierung gilt: möglichst nicht über 55 °C. Ob Ihr Gebäude dafür geeignet ist, kann eine raumweise Heizlastberechnung klären.

Der hydraulische Abgleich ist ein Muss

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass sich das Wasser im Heizsystem richtig verteilt: Jeder Heizkörper bzw. jeder Heizkreis erhält genau die benötigte Wassermenge, um den Raum auf die gewünschte Temperatur zu bekommen. 

Heizenergie sparen durch Dämmung ist immer sinnvoll

Die Reduzierung des Wärmebedarfs ist eine der wirksamsten Maßnahmen, um Heizkosten und CO₂-Emissionen dauerhaft zu senken – unabhängig vom gewählten Heizsystem. Jede eingesparte Kilowattstunde muss nicht erzeugt, transportiert oder bezahlt werden. 

Eine verbesserte Wärmedämmung von Dach, Fassade oder Kellerdecke sowie dichte Fenster und Türen sorgen dafür, dass die im Gebäude erzeugte Wärme länger erhalten bleibt. Das erhöht nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch den Wohnkomfort (gleichmäßigere Temperaturen, weniger Zugluft, wärmere Oberflächen). 

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Zustand des Gebäudes, vom Budget und von geplanten weiteren Schritten ab. Eine schrittweise, gut abgestimmte Sanierung kann ebenso zielführend sein wie eine umfassende Ertüchtigung. Es gilt jedoch immer: Gebäudehülle und -technik sollten aufeinander abgestimmt werden. Im Idealfall zuerst dämmen, dann die Heizung tauschen, denn überdimensionierte Erzeuger sind nicht nur teurer, sondern arbeiten auch ineffizient.

 

Förderungen

Der Einbau einer Wärmepumpe sowie Maßnahmen zur Effizienzsteigerung werden vom Staat unterstützt. Förderfähig sind unter anderem die Heizung selbst, die Installation, notwendige Anpassungen am Heizsystem sowie Planungs- und Beratungsleistungen. Das Programm heißt Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Art und Höhe der Förderung können sich ändern, daher ist es wichtig, sich vor Beginn der Maßnahme über die aktuellen Programme zu informieren und Förderanträge rechtzeitig zu stellen. 

Details zu den aktuellen staatlichen Förderungen erfahren Sie im Internet unter dem Stichwort „Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)“.
Heizungsförderung für Privatpersonen: www.kfw.de/458
Ergänzungskredite bis 120.000 EUR: www.kfw.de/358 + www.kfw.de/359

Rechtliche Grundlagen, Austausch- und Nachrüstverpflichtungen

Die Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) legt u.a. Grenzwerte für Schadstoffe und den Abgasverlust fest. Die Schornsteinfeger*innen prüfen im Rahmen der regelmäßigen Messungen die Einhaltung dieser Grenzwerte. Außerdem werden im Gebäudeenergiegesetz (GEG) Mindestanforderungen an Effizienz und Austauschpflichten geregelt.

Heizkessel (§ 72 GEG), Rohrleitungen (§ 71 GEG) sowie unbeheizte Speicher- und Spitzböden (§ 47 GEG) haben Austausch- und Nachrüstverpflichtungen. Sie gelten unabhängig davon, ob eine Sanierung geplant ist. Bei selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern, in denen der Eigentümer bereits vor dem 1. Februar 2002 gewohnt hat, greifen die Austausch- und Nachrüstverpflichtungen erst im Falle eines Eigentümerwechsels. Der neue Eigentümer hat nach dem Erwerb zwei Jahre Zeit, die Nachrüstungen durchzuführen.

Weitere Nachrüstpflichten finden sie hier

Unsere Tipps

  • Beim Heizungstausch wird der Umstieg auf Erneuerbare Energien mit bis zu 50% Zuschuss gefördert. Weitere Infos finden Sie auf unserer Seite Förderung Bestand.
  • Planen Sie zukunftsorientiert: Der Einsatz regenerativer Energien ist bei Neubauten bereits jetzt gesetzlich gefordert. Der Trend geht in Richtung Niedrigstenergiehaus sowie Null- oder Plus-Energiehaus. Das bedeutet, das Gebäude produziert mehr Energie als es verbraucht. Dies kann, abgesehen von der Voraussetzung einer optimalen Dämmung, durch Kraft-Wärme-Kopplung oder Photovoltaik erreicht werden. Bei der Planung einer neuen Heizungsanlage sollte diese Entwicklung vorausschauend berücksichtigt werden.
  • Ist an Ihrer Adresse ein Fernwärmeanschluss möglich? Bei den SWB Energie und Wasser können Sie das herausfinden.