Sanierung mit Plan

Man hat ein Haus gekauft, geerbt oder längere Zeit keine Baumaßnahmen durchgeführt. Da stellen sich einige Fragen: Wie anfangen?  Was bedeutet energetische Sanierung überhaupt? Wer hilft mir, wen muss ich mit einbeziehen, was gilt es zu beachten? Ziel ist eine Sanierung, die im Zeit- und Kostenrahmen bleibt und die gesteckten Einsparziele und der Komfortgewinn sollen auch erreicht werden. Außerdem sollte die Chance genutzt werden, eventuelle spätere Maßnahmen vorzubereiten. Dann wird man auch auf lange Sicht mit der Sanierung zufrieden sein.

1. Gut starten: Bedarf und Wünsche klären

Informieren Sie sich über das Thema energetische Sanierung, über die verschieden Möglichkeiten der Dämmung und der Heizungstechniken. Finden Sie heraus, welche Maßnahmen jetzt oder in Zukunft anstehen. Dazu gehören nicht nur die baulichen Maßnahmen, sondern auch ihre eigene Lebenssituation. Wie wollen Sie in den nächsten Jahren in Ihrem Gebäude leben? Steht eine Wohnraumerweiterung an? Möchten Sie die Wohnung altersgerecht umbauen? Jetzt ist der Zeitpunkt ideal, auch hierfür Lösungen zu finden.

2. Energieberatung vor Ort, Energie-Fahrplanerstellen, ggf.Planung einbeziehen

Ein Haus ist ein komplexes System. Einzelaktionen blockieren oft den Weg zur optimalen Lösung, auch wenn sie handwerklich professionell ausgeführt werden. Das kann beträchtliche Mehrkosten verursachen oder es wird einfach die Chance nicht genutzt. Mit einer qualifizierten Gebäudeenergieberatung können Sie das vermeiden: Sie erhalten nicht nur detailliert Auskunft über den energetischen Zustand Ihres Gebäudes, sondern auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie Sie sinnvoll an eine energetische Sanierung herangehen können. Welchen Nutzen bietet eine energetische Sanierung? Welche Bauteile im Haus sollen nach welchem Standard saniert werden? Welche Heizungstechniken gibt es und welche sind in meinem Fall sinnvoll?

Wenn Sie wissen, welche energetischen Baumaßnahmen anstehen, kann eine sinnvolle Reihenfolge gefunden werden. Zum Beispiel kann im Zuge der Dachsanierung eine spätere Außenwanddämmung durch das Herstellen eines ausreichend großen Dachüberstands vorbereitet werden. Oder die Heizung wird so gewählt, dass man später einen Kaminofen oder eine Solaranlage nachrüsten kann. Bei Modernisierungsarbeiten sollten nicht nur die Mindestanforderungen nach der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllt werden, denn die Mehrkosten für eine stärkere Dämmung oder eine Dreifach-Verglasung sind im Verhältnis relativ gering und amortisieren sich in der Regel schnell. Daher sollten Sie sich für die bestmögliche Dämmung und die zurzeit beste Verglasungsart entscheiden. So entsprechen die Maßnahmen auch zukünftigen Baustandards und Sie sind gegen steigende Energiepreise gewappnet.

Sobald mehrere Maßnahmen an einem Gebäude umgesetzt werden, ist es ratsam, Planer hinzuzuziehen. Sie kümmern sich um einen geregelten Bauablauf, koordinieren alle am Bau Beteiligten und sorgen dafür, dass Ihre Wünsche mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln in Einklang gebracht werden. So können auch die Maßnahmen geplant und umgesetzt werden, die mit Ihrer Lebenssituation zusammen hängen (Wohnraumerweiterung, bessere Belichtung, Altersgerechter Umbau). Wenn ein Bauantrag gestellt werden muss (Dachgaube, Aufstockung, Anbau) muss ein Planer hinzugezogen werden.

3. Die Chance nutzen - ein gutes Gesamtkonzept erstellen, rechtliche Vorgaben prüfen

Wenn der Energie-Fahrplan steht und die zusätzlichen Maßnahmen benannt wurden, kann ein Gesamtkonzept erstellt werden. Hierfür sollten auch alle rechtlichen Vorgaben geprüft werden (Vorgaben durch Baurecht, Bebauungsplan, Energieeinsparverordnung etc.). Dieses Konzept muss nicht unbedingt sofort in Gänze umgesetzt werden. Es kann z.B. sein, dass die finanziellen Mittel für eine Umsetzung des ganzen Konzeptes nicht vorhanden sind. Dennoch ist es wichtig, auch bei der Umsetzung nur von Teilen des Konzepts an die Zukunft zu denken. Zum Beispiel kann berücksichtigt werden, dass ein großes Einfamilienhaus zukünftig zwei Wohneinheiten besitzt, damit dieses sinnvoll genutzt werden kann, auch wenn die Kinder aus dem Haus sind.

4. Kostenrahmen und Fördermittel, Anforderungen für Förderung prüfen

Planung, Kosten und Finanzierung der Sanierung müssen immer gemeinsam betrachtet werden. Ohne Kenntnis der Kosten können Sie nicht entscheiden, welche Maßnahmen Sie umsetzen möchten. Nur mit Vorgabe Ihres finanziellen Rahmens werden die Sanierungsschritte geplant, die auch realisierbar sind. Am Anfang der Planung werden grobe Annahmen getroffen, am Ende steht der detaillierten Kostenermittlung ein ausgeklügelter Finanzplan gegenüber. Machen Sie frühzeitig den Realitäts-Check. Informieren Sie sich, welche Zuschüsse und zinsgünstige Kredite es gibt, wo diese beantragt werden können und welche Anforderungen hierfür erfüllt werden müssen.

5. Detailliert planen (Ausführungsplanung), die benötigten Leistungen benennen (Ausschreibung), Eigenleistungen möglich?

Wenn Sie die Entscheidung getroffen haben, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen und wie diese finanziert werden, geht es in die detailliertere Planung. Hier sollten Sie nichts dem Zufall überlassen. Die Ausführungsplanung ist die Grundlage für Planer und Handwerker bei der Umsetzung. Überlegen Sie, welche Leistungen Sie in Eigenleistung umsetzen können und möchten und ob die Maßnahmen in einem Zug oder in mehreren Bauabschnitten umgesetzt werden sollen.

6. Bei Fachfirmen Angebote einholen (Energieeffizienz-Partner), Bauvertrag

Sind im Zuge der Ausführungsplanung alle Maßnahmen im Detail geplant und die Materialien festgelegt, können Sie die Angebote einholen. Wählen Sie Fachfirmen, die für diese Aufgabe geeignet sind, zum Beispiel die „Energieeffizienz-Partner“. Als Grundlage für die Angebote dient eine Leistungsbeschreibung. Je präziser die Beschreibung der gewünschten Leistung ist, desto leichter lassen sich die Angebote vergleichen. Die Leistungsbeschreibung und das Angebot sind Vertragsbestandteil für den Bauvertrag, den Sie mit den ausführenden Firmen schließen.

7. Während der Bauzeit: Bauleitung / Baubegleitung

Sind die Firmen beauftragt, kann die Umsetzung der Maßnahmen endlich beginnen. Selbst bei vermeintlich kleineren Maßnahmen ist es sinnvoll, diese von einem sachkundigen Bauleiter überwachen zu lassen. Informieren Sie sich über seine Aufgaben sowie über zusätzliche Möglichkeiten, Bauleistungen zu kontrollieren. Nach der Fertigstellung der vertragsgerecht erbrachten Leistung haben die Firmen ein Recht auf eine Abnahme und eine fristgerechte Vergütung.

8. Fertigstellung, Hinweise zu Nutzung, Wartung und Pflege, Nachweise

Nach Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen gibt es noch einige Dinge zu beachten. So sollten Sie prüfen, ob Ihnen alle erforderlichen Nachweise der Firmen vorliegen (z.B. die „Unternehmererklärungen“ gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV)). Einige Formulare müssen Sie bei den Behörden unaufgefordert einreichen, andere Nachweise müssen Sie nur aufbewahren und auf Anfrage vorlegen können. Informieren Sie sich im letzten Schritt auch darüber, wie Sie Ihr Gebäude richtig warten und pflegen. So müssen z.B. Filter an einer Lüftungsanlage gewechselt und Beschläge an Fenstern und Türen nachgestellt werden. Lassen Sie sich in den Betrieb der Heizungs- und Lüftungsanlage einweisen, dann trägt eine effizient geregelte, gesteuerte und eingestellte Anlagentechnik zu einer zufriedenstellenden Nutzung Ihres frisch sanierten Gebäudes bei.

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